Die Bedeutung von Anleihen als Anlageklasse

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Titelbild Anleihen

Anleihen sind Finanzinstrumente, die als eine Form der Schuldverschreibung fungieren. Wenn ein Investor eine Anleihe kauft, leiht er im Grunde genommen Geld an den Emittenten. Der Emittent kann eine Regierung, eine Kommune oder ein Unternehmen sein. Anleihen werden oft als sicherer als Aktien angesehen, besonders wenn sie von stabilen Regierungen oder großen Unternehmen ausgegeben werden. Sie sind ein wichtiger Bestandteil vieler Investmentportfolios, insbesondere für Anleger, die ein regelmäßiges Einkommen und eine geringere Volatilität suchen.

Anleihen: Grundbegriffe

  • Nennwert: Der Nennwert einer Anleihe ist der Betrag, den der Investor beim Kauf bezahlt und der ihm bei Fälligkeit zurückgezahlt wird. Es ist im Grunde der „Leihbetrag“. Anleihen, die für private Anleger bestimmt sind, haben nicht selten einen Nennwert von 1000 Euro.
  • Emittent: Der Emittent ist die Organisation, die die Anleihe ausgibt. Es kann sich um eine Regierung (Staatsanleihen), eine kommunale Behörde (Kommunalanleihen) oder ein Unternehmen (Unternehmensanleihen) handeln.
  • Zinssatz (Kupon): Die Emittenten zahlen in der Regel einen festen Zinssatz auf den Nennwert ihrer Anleihen. Dieser Zinssatz wird als Kupon bezeichnet und wird meist jährlich, halbjährlich oder vierteljährlich ausgezahlt. Der Zinssatz kann auch variabel sein und sich an Marktbedingungen anpassen.
  • Laufzeit: Dies ist der Zeitraum, über den die Anleihe läuft. Am Ende der Laufzeit steht das Rückzahlungsdatum, zu dem der Emittent den Nennwert zurückzahlen muss.
  • Bonität: Die Bonität einer Anleihe, also ihre Kreditwürdigkeit und das damit verbundene Ausfallrisiko, wird üblicherweise durch Ratingagenturen festgestellt. Hoch bewertete Anleihen (z.B. AAA wie die deutsche Bundesanleihe) sind sicherer, bieten aber niedrigere Zinsen. Umgekehrt bieten Papiere mit niedrigerer Bonität zwar höhere Zinsen, bergen aber auch ein höhres Risiko.
  • Marktpreis: Anleger dürfen ihre Anleihen auch vor dem Fälligkeitsdatum verkaufen, wobei der Marktpreis schwanken kann. Die passiert unter anderem durch Änderungen der Zinssätze oder der Bonität des Emittenten.

Anleihen vs. Aktien

Aktien und Anleihen sind beides beliebte Anlageformen, aber sie repräsentieren grundlegend unterschiedliche Arten von Finanzinstrumenten mit eigenen Charakteristika und Risikoprofilen.

Beginnen wir mit Aktien: Wenn Sie Aktien eines Unternehmens kaufen, erwerben Sie einen Anteil an diesem Unternehmen. Sie werden quasi zu einem Miteigentümer. Dies bedeutet, dass Sie vom Erfolg des Unternehmens profitieren können, beispielsweise in Form von Dividendenausschüttungen oder einer Steigerung des Aktienkurses. Andererseits tragen Sie auch ein höheres Risiko, denn wenn das Unternehmen schlecht abschneidet, kann der Wert Ihrer Aktien sinken. Zudem haben Aktionäre im Falle einer Insolvenz des Unternehmens nachrangige Ansprüche auf das Vermögen des Unternehmens, was bedeutet, dass sie erst nach der Begleichung aller Schulden bedient werden.

Anleihen hingegen sind eine Form der Schuldverschreibung. Wenn Sie eine Anleihe kaufen, leihen Sie dem Emittenten, sei es eine Regierung oder ein Unternehmen, Geld. Im Gegenzug erhalten Sie das Recht auf regelmäßige Zinszahlungen und die Rückzahlung des geliehenen Betrags (Nennwert) am Ende der Laufzeit der Anleihe. Im Unterschied zu Aktien, bei denen die Rendite stark vom Unternehmenserfolg abhängt, bieten Anleihen in der Regel eine feste Rendite und gelten daher als weniger riskant. Allerdings hängt das Risiko auch von der Bonität des Emittenten ab. Im Falle einer Insolvenz des Emittenten haben Anleihegläubiger im Allgemeinen einen höheren Rang bei der Rückzahlung als Aktionäre.

Zusammengefasst: Aktien bieten potenziell höhere Renditen, sind aber mit einem größeren Risiko verbunden, da ihr Wert direkt vom Erfolg des Unternehmens abhängt. Anleihen hingegen bieten in der Regel geringere, aber stabilere Erträge und gelten als sicherer, besonders wenn sie von Emittenten mit hoher Kreditwürdigkeit ausgegeben werden. Ihre Rendite besteht aus den vereinbarten Zinszahlungen sowie der Rückzahlung des Nennwerts am Laufzeitende.

Aktienanleihen

Aktienanleihen sind eine besondere Art von Finanzprodukten, die Elemente von Aktien und herkömmlichen Anleihen kombinieren. Sie werden auch als Reverse Convertible Bonds bezeichnet. Diese Wertpapiere bieten in der Regel höhere Zinsen als gewöhnliche Anleihen, aber dies geht einher mit einem höheren Risiko, das eng mit der Entwicklung einer bestimmten Aktie oder eines Aktienkorbs verbunden ist.

Aktienanleihen können attraktiv sein für Anleger, die auf der Suche nach höheren Erträgen sind und bereit sind, dafür ein höheres Risiko einzugehen. Allerdings ist es wichtig, die Mechanismen und Risiken dieses Instruments vollständig zu verstehen, bevor man sich dafür entscheidet.

Wo kann man Anleihen kaufen?

Viele Banken und Broker bieten ihren Kunden den Kauf von Anleihen an. Dies kann entweder über persönliche Beratung in einer Filiale oder über Online-Plattformen erfolgen. Sie werden auch an Börsen gehandelt, ähnlich wie Aktien. Für den Handel an einer Börse benötigen Anleger ein Brokerage-Konto. Hier können sie sowohl Staats- als auch Unternehmensanleihen kaufen und verkaufen.

Einige Staaten ermöglichen es Privatanlegern, Staatsanleihen direkt zu erwerben, ohne Vermittler. In den USA können beispielsweise Treasury Bonds direkt über das Programm „TreasuryDirect“ der US-Regierung gekauft werden. Eine Alternative zum direkten Kauf einzelner Anleihen ist der Erwerb von Anteilen an Anleihenfonds oder börsengehandelten Fonds (ETFs), die in Anleihen investieren. Diese Fonds bieten Diversifikation und werden von professionellen Fondsmanagern verwaltet.

Für Anleger, die eine maßgeschneiderte Beratung wünschen, kann der Kauf von Anleihen über einen Finanzberater oder Vermögensverwalter sinnvoll sein. Diese Experten können Anlagestrategien auf die individuellen Bedürfnisse und Ziele des Anlegers abstimmen.

Chancen und Risiken

Anleihen, als eine etablierte Anlageklasse, bieten Anlegern eine Reihe von Chancen, aber sie bringen auch spezifische Risiken mit sich. Hier sind die wichtigsten Aspekte beider Seiten:

Chancen von Anleihen

  • Regelmäßige Einkünfte: Anleihen zahlen in der Regel feste Zinsen (Coupons), die für Anleger eine konstante Einkommensquelle darstellen können.
  • Rückzahlung des Kapitals: Am Ende der Laufzeit einer Anleihe wird der Nennbetrag in der Regel an den Anleger zurückgezahlt, was für eine gewisse Sicherheit des investierten Kapitals sorgt.
  • Risikodiversifikation: Anleihen weisen oft eine geringere Volatilität im Vergleich zu Aktien auf. Sie können daher helfen, das Gesamtrisiko in einem diversifizierten Portfolio zu reduzieren.
  • Priorität im Insolvenzfall: Im Falle einer Unternehmensinsolvenz haben Anleiheinhaber in der Regel einen höheren Anspruch auf das Unternehmensvermögen als Aktionäre.
  • Inflationsschutz: Einige Anleihen, wie inflationsgeschützte Staatsanleihen, bieten Schutz gegen Inflation, indem die Zinszahlungen und der Rückzahlungsbetrag an die Inflationsrate angepasst werden.

Risiken von Anleihen

  • Zinsänderungsrisiko: Wenn die Marktzinsen steigen, sinken in der Regel die Kurse bestehender Anleihen. Dies kann zu Kapitalverlusten führen, falls jemand seine Anleihen vor Fälligkeit verkaufen muss.
  • Kreditrisiko (Bonitätsrisiko): Es besteht das Risiko, dass der Emittent der Anleihe zahlungsunfähig wird und somit Zinsen und/oder den Nennbetrag nicht zurückzahlen kann.
  • Liquiditätsrisiko: Einige Anleihen, besonders solche von kleineren oder weniger bekannten Emittenten, können schwierig zu verkaufen sein, wenn es nicht genügend Käufer gibt.
  • Inflationsrisiko: Bei festverzinslichen Anleihen besteht das Risiko, dass die Inflation die realen Erträge (also die Kaufkraft) der Zinszahlungen und des zurückgezahlten Kapitals erodiert.
  • Währungsrisiko: Bei Anleihen in fremder Währung besteht das Risiko von Wechselkursverlusten, wenn die Währung des Anlegers im Verhältnis zur Anleihewährung an Wert gewinnt.
  • Rückruf- oder Wiedereinlösungsrisiko: Einige Anleihen erlauben es dem Emittenten, die Anleihe vorzeitig zurückzuzahlen. Dies kann besonders in einem sinkenden Zinsumfeld nachteilig für den Anleger sein, da er dann gezwungen sein könnte, in niedriger verzinsliche Anlagen umzuschichten.

Beim Investieren in Anleihen ist es wichtig, die individuellen Merkmale und Risiken jeder Anleihe sorgfältig zu bewerten, ebenso wie die eigene Risikotoleranz und Anlageziele zu berücksichtigen. Anleihen können eine wertvolle Ergänzung für ein gut diversifiziertes Portfolio sein, aber wie bei jeder Anlageform ist eine sorgfältige Analyse und Auswahl entscheidend.

Kosten und Gebühren

Beim Handel mit Anleihen können verschiedene Kosten und Gebühren anfallen, die sowohl von der Art der Anleihe als auch von der Handelsplattform oder dem Finanzinstitut abhängen, über das der Handel abgewickelt wird. Hier sind einige der gängigsten Kosten und Gebühren:

  • Transaktionsgebühren: Viele Broker und Banken erheben Gebühren für den Kauf und Verkauf von Anleihen. Diese können als feste Beträge oder als Prozentsatz des Transaktionsvolumens anfallen.
  • Spread zwischen An- und Verkaufspreis (Bid-Ask-Spread): Beim Kauf einer Anleihe zahlt der Anleger in der Regel einen etwas höheren Preis als den Marktwert (Ask-Preis), und beim Verkauf erhält er einen etwas niedrigeren Preis (Bid-Preis). Diese Differenz ist der Spread, der dem Händler oder dem Markt dient, um seine Kosten zu decken.
  • Verwaltungsgebühren: Bei Anlage in Anleihenfonds oder ETFs können jährliche Verwaltungsgebühren anfallen. Diese werden in der Regel als Prozentsatz des angelegten Vermögens berechnet.
  • Beratungsgebühren: Wenn Sie Anleihen über einen Finanzberater oder Vermögensverwalter kaufen, können Beratungsgebühren anfallen. Diese können entweder als Pauschalbetrag oder als Prozentsatz des investierten Vermögens berechnet werden.
  • Depotgebühren: Einige Banken und Broker verlangen Gebühren für die Verwahrung von Wertpapieren in einem Depot.
  • Kosten für vorzeitige Rückzahlung: Bei manchen Anleihen kann es Kosten geben, wenn der Emittent die Anleihe vor dem Laufzeitende zurückzahlt (Call-Option).
  • Markt- oder Handelsplatzgebühren: In einigen Fällen können zusätzliche Gebühren für den Handel an bestimmten Börsen oder Handelsplätzen anfallen.

Es ist wichtig, sich vor dem Kauf oder Verkauf von Anleihen über alle anfallenden Kosten zu informieren und diese bei der Berechnung der Gesamtrendite der Anlage zu berücksichtigen. Unterschiedliche Anbieter und Plattformen können erheblich variierende Gebührenstrukturen aufweisen, was einen direkten Einfluss auf die Rentabilität Ihrer Anleiheninvestitionen haben kann.

Steuern

In Deutschland unterliegen Gewinne aus Anleihen der Abgeltungssteuer für Kapitalerträge (Kapitalertragsteuer). Diese Steuer müssen Sie jedoch nur zahlen, wenn Sie den Freibetrag für Kapitalerträge überschreiten. 2023 wurde dieser Freibetrag für Alleinstehende auf 1000 Euro pro Jahr erhöht, für Verheiratete und Verpartnerte 2000 Euro pro Jahr.

Zu den Kapitalerträgen, die der Abgeltungssteuer unterliegen, gehören Zinserträge aus Anleihen, aber auch Kursgewinne, falls die Anleihe zwischen Erwerb und Verkauf im Wert gestiegen ist und man sie außerhalb der Spekulationsfrist von einem Jahr verkauft. In der Regel wird die Abgeltungssteuer direkt von der Bank oder dem Finanzdienstleister, über den die Anleihen gehandelt werden, abgeführt. Dies vereinfacht das Verfahren für den Anleger, da keine separate Steuererklärung für diese Erträge erforderlich ist.

Es ist immer ratsam, sich bei spezifischen steuerlichen Fragen zu Kapitalerträgen und Anleihen an einen Steuerberater oder einen anderen qualifizierten Fachmann zu wenden, um eine genaue und individuell zugeschnittene Beratung zu erhalten.

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