Benjamin Graham

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Benjamin Graham
Benjamin Graham

Benjamin Graham, geboren am 9. Mai 1894 in London, war ein Pionier und Wegbereiter im Bereich der Finanzwelt. Sein Einfluss auf die moderne Investmentphilosophie ist von unschätzbarem Wert. Sein Vermächtnis wird noch heute von zahlreichen Anlegern weltweit geschätzt. Graham wird oft als der „Vater der Wertpapieranalyse“ bezeichnet und ist vor allem für seine Arbeit als Autor, Ökonom und Finanzexperte bekannt.

Graham emigrierte früh in die Vereinigten Staaten und begann seine akademische Laufbahn an der Columbia University in New York. Dort entwickelte er eine tiefe Leidenschaft für Finanzmärkte und legte den Grundstein für seine beeindruckende Karriere. Während seiner Zeit an der Columbia University lehrte Graham auch den jungen Warren Buffett, der später zu einem der erfolgreichsten Investoren aller Zeiten werden sollte.

Benjamin Graham: Jugend und Ausbildung

Benjamin Graham erblickte als Benjamin Grossbaum in London das Licht der Welt. Als Spross einer jüdischen Familie zog er im Alter von einem Jahr gemeinsam mit seinen Eltern nach New York City. Um sich besser in die amerikanische Gesellschaft zu integrieren und antisemitischen sowie antideutschen Vorurteilen zu entkommen, entschied sich die Familie, ihren Namen von Grossbaum zu Graham zu ändern.

Die finanzielle Situation der Grahams verschlechterte sich nach dem Tod des Vaters, der ein florierendes Porzellangeschäft besessen hatte, und nach der Finanzkrise von 1907, wodurch die Familie in Armut geriet. Diese Erfahrung führte dazu, dass Graham sein Leben lang nach stabilen Anlagewerten strebte. Trotz der schwierigen Verhältnisse genoss Benjamin Graham eine erstklassige Ausbildung. Als herausragender Student schloss er an der Columbia University als Jahrgangszweiter ab und beendete sein Studium in nur dreieinhalb Jahren.

Benjamin Graham an der Wall Street

Nach dem Abschluss erhielt Graham von der Universität Angebote für Lehrstellen in den Fachbereichen Mathematik, Englisch und Philosophie. Trotz dieser Möglichkeiten entschied er sich, er eine Stelle bei der Brokerfirma Newburger, Henderson & Loeb anzunehmen. Da er an der Universität nie einen wirtschaftswissenschaftlichen Kurs besucht hatte, begann er seine Karrierre als einfacher Laufbursche. Später versuchte er sich als Anleiheverkäufer, merkte aber schnell, dass das Verkaufen nicht sein größtes Talent war.

„Geduld ist die oberste Tugend des Investors.“

Während seiner Tätigkeit im Anleihenverkauf erkannten Grahams Vorgesetzte, dass er eine Begabung für die gründliche statistische Analyse von Wertpapieren besaß. Da es bei Newburger, Henderson & Loeb noch keine offizielle Analyseabteilung gab, wurde kurzerhand Benjamin Graham zu dieser „Abteilung“ ernannt. Im Jahr 1915 erzielte er einen bedeutsamen Erfolg, als er entdeckte, dass die im Auflösungsprozess befindliche Guggenheim Exploration Company im Vergleich zu den individuell gehandelten Unternehmensanteilen weit unterbewertet war. Dies führte zu einem beeindruckenden Arbitrage-Profit und stärkte Grahams Überzeugung, in unterbewertete Aktien zu investieren.

Benjamin Graham
Benjamin Graham

Seine analytischen Fähigkeiten zeigten sich auch in den frühen 1920er Jahren, als er entdeckte, dass die Northern Pipeline Co. über beträchtliche Barreserven und Anleihen verfügte, die seiner Meinung nach nicht effektiv genutzt wurden. Um eine Änderung herbeizuführen, erwarb er ausreichend Aktien, um eine Abstimmung zu erzwingen und das Vermögen zugunsten der Aktionäre zu verteilen. Angesichts seiner Erfolge ist es nicht verwunderlich, dass Graham in seiner Firma bald zum Partner avancierte.

Die Graham Newman Corporation

Noch während seiner Tätigkeit bei Newburger, Henderson & Loeb plante Benjamin Graham den Schritt zur Gründung einer eigenen Vermögensverwaltungsgesellschaft. Zusammen mit Graham Newman, seinem ehemaligen Kommilitonen an der Columbia University, gründete er 1926 die Graham-Newman Corporation.

Die Graham-Newman Corporation fungierte als Investmentgesellschaft und war auf die Verwaltung von Anlagefonds spezialisiert. Das Unternehmen setzte Grahams Value-Investing-Prinzipien in die Praxis um, indem es nach unterbewerteten Aktien suchte und eine langfristige Anlagestrategie verfolgte. In den folgenden Jahren erwarb sich die Gesellschaft einen guten Ruf für ihre konservative und disziplinierte Herangehensweise an Investitionen.

Benjamin Graham erzielte seinen größten Gewinn durch die Beteiligung an der Versicherungsgesellschaft GEICO. Im Jahr 1948 erwarb sein Unternehmen für 712.500 $ eine Beteiligung von 50 %. Allerdings unterlag Graham-Newman aufgrund aufsichtsrechtlicher Bestimmungen der U.S. Securities and Exchange Commission der Verpflichtung, die GEICO-Aktien an die Anleger des Fonds zu verteilen.

Die Verteilung der GEICO-Aktien erwies sich als äußerst profitabel. Ein Anleger, der im Jahr 1948 in seinem Portfolio 100 Anteile des Graham-Newman-Fonds im Wert von 11.413 $ besaß und die GEICO-Ausschüttung beibehielt, hätte im Jahr 1972 stolze 1,66 Millionen $ auf seinem Konto gehabt. Diese erhebliche Wertsteigerung verdeutlicht den Erfolg von Grahams Anlagemethoden, insbesondere in Verbindung mit strategischen Investitionen.

Graham führte das Unternehmen durch verschiedene Marktphasen, einschließlich der Herausforderungen der Weltwirtschaftskrise in den 1930er Jahren. Die Anlagen der Graham-Newman-Corporation wiesen im Zeitraum von 1936 bis 1956 eine jährliche Rendite von etwa 20 % auf, während die durchschnittliche Marktperformance nur 12,2 % pro Jahr betrug. 1956 zog sich Graham aus der aktiven Führung der Gesellschaft zurück, die noch bis zu ihrer Liquidation im Jahr 2006 Bestand haben sollte.

Benjamin Graham als Hochschullehrer

Benjamin Graham war nicht nur ein herausragender Investor, sondern auch ein angesehener Universitätsprofessor. Seine akademische Laufbahn begann, als er 1928 an die Columbia Business School berufen wurde, wo er bis zu seiner Pensionierung im Jahr 1956 lehrte. In dieser Zeit hatte Graham erheblichen Einfluss auf viele seiner Studenten, darunter auch Warren Buffett, der später zu einem der bekanntesten Investoren aller Zeiten wurde.

Graham trug maßgeblich zur Entwicklung des Lehrplans für Finanzanalysten und Investmentexperten bei der Columbia Business School bei. Seine Lehrmethoden und -inhalte waren stark von seiner eigenen Investmentphilosophie geprägt, insbesondere von den Prinzipien des Value Investing. Sein Lehransatz zeichnete sich durch eine ausgewogene Mischung aus theoretischem Wissen und praktischer Anwendung aus. Er integrierte seine eigenen Erfahrungen als Investor in den Unterricht, was seinen Schülern einen praxisnahen Einblick in die Welt der Finanzen ermöglichte.

Graham betonte auch die ethischen Aspekte des Finanzwesens und lehrte seine Schüler, wie wichtig Integrität und moralisches Handeln im Bereich der Investments sind.

Seine Schriften

1934 veröffentlichte Graham mit David Dodd das Standardwerk „Security Analysis“ (Wertpapieranalyse), das die Grundlagen für die Fundamentalanalyse etablierte. Graham betonte die Bedeutung von Werthaltigkeit, Sicherheitsmargen und langfristiger Perspektive. Er schlug auch er eine klare Abgrenzung zwischen Investition und Spekulation vor: „Ein Anlagegeschäft ist ein Geschäft, das nach gründlicher Analyse die Sicherheit des Kapitals und eine zufriedenstellende Rendite verspricht. Operationen, die diese Anforderungen nicht erfüllen, sind spekulativ“.

Seinen Höhepunkt fand Grahams revolutionärer Ansatz 1949 in dem Buch „The Intelligent Investor“ (Der intelligente Investor). In diesem Werk präsentierte er den Begriff des „Value Investing“, der darauf abzielt, unterbewertete Aktien zu identifizieren und langfristige Investitionen zu tätigen. Seine Ideen, wie die berühmte Metapher des „Mr. Market“, beeinflussten Generationen von Investoren und prägten die Grundlagen für einen rationalen und disziplinierten Anlageansatz.

Benjamin Graham betonte in seinen Schriften die Perspektive, dass Aktionäre ihre Beteiligung in erster Linie als Teilhaberschaft an einem Unternehmen betrachten sollten. Unter dieser Betrachtungsweise sollten kurzfristige Kursschwankungen nicht im Fokus des Anlegers stehen. Er verglich den Aktienmarkt aus kurzfristiger Sicht mit einer „Abstimmungsmaschine“, während er sich langfristig eher wie eine „Waage“ verhalte. Er meinte damit, dass sich der wahre Wert eines Unternehmens im Laufe der Zeit im Aktienkurs widerspiegele.

Eine Differenzierung, die Graham vornahm, betraf die Einteilung der Anleger in defensive und unternehmerische Typen. Der defensive Anleger strebt danach, den Aufwand im Zusammenhang mit Investitionen zu minimieren. Daher handelt er selten und verzichtet darauf, das kurzfristige Marktverhalten oder die Schwankungen von Wertpapierkursen vorherzusagen. Der unternehmerische Anleger hat hingegen mehr Zeit und Interesse, um sich der Analyse zu widmen und nach außergewöhnlichen Kaufgelegenheiten zu suchen. Graham riet unternehmungslustigen Anlegern dazu, beträchtliche Zeit und Mühe in die Fundamentalanalyse von Unternehmen zu investieren. Sobald ein Unternehmen zu einem Abschlag gegenüber seinem inneren Wert erhältlich ist, entsteht eine „Sicherheitsmarge“, die es für eine Investition attraktiv macht.

„Mr. Market“

Grahams Metapher des „Mr. Market“ ist eine anschauliche Beschreibung seiner Sichtweise bezüglich der Schwankungen und Irrationalitäten, die auf dem Aktienmarkt auftreten. Die Metapher soll Anlegern verdeutlichen, wie sie mit den Schwankungen des Marktes umgehen sollten. Er verglich den Markt mit einem imaginären Geschäftspartner namens „Mr. Market“. Dieser ist ein äußerst emotionales und launisches Individuum. Täglich bietet er den Anlegern an, Aktien zu kaufen oder zu verkaufen. Dabei variiert sein Angebot je nach seiner momentanen Stimmung und Einschätzung der Marktlage.

Meistens sind Mr. Markets Angebote fair. Manchmal ist er aber euphorisch und ruft viel zu hohe Preise auf. In anderen Phasen ist er pessimistisch verlangt nur niedrige Preise. Graham betonte, dass Anleger nicht verpflichtet sind, jedes Angebot von Mr. Market anzunehmen. Sie können wählen, ob sie verkaufen oder kaufen wollen, basierend auf einer unabhängigen Analyse des inneren Werts einer Aktie im Vergleich zu Mr. Markets Angebot.

Die zentrale Lehre aus Grahams Metapher ist, dass Anleger den Markt nicht als Richtig-Falsch-Anzeiger betrachten sollten, der immer den wahren Wert von Aktien reflektiert. Stattdessen sollten sie den Markt als eine Gelegenheit sehen, von irrationalen Schwankungen zu profitieren. Die Vorschläge von Mr. Market entsprechen nicht zwingend den realen Werten. Es liegt in der Hand des Investors, diese Ungleichgewichte zu seinem Vorteil zu nutzen.

In dieser Hinsicht ermutigte Graham Anleger dazu, geduldig, rational und unbeeindruckt von kurzfristigen Schwankungen zu agieren. „Mr. Market“ dient als Erinnerung daran, dass der Markt oft von Emotionen getrieben wird und Anleger klug handeln sollten, indem sie auf fundamentale Analyse und langfristige Werthaltigkeit setzen.

Die Anlagestrategie von Benjamin Graham

Die Anlagestrategie von Benjamin Graham ist als „Value Investing“ bekannt. Er konzentrierte sich auf die Suche nach unterbewerteten Aktien und legte einen starken Fokus auf den Schutz des Kapitals. Hier sind einige der grundlegenden Prinzipien seiner Anlagestrategie:

  • Margin of Safety (Sicherheitsmarge): Graham legte großen Wert auf eine ausreichende Sicherheitsmarge zwischen dem aktuellen Marktpreis einer Aktie und ihrem inneren Wert. Dieser Sicherheitspuffer sollte dazu dienen, mögliche Unsicherheiten und Risiken abzufedern.
  • Langfristige Perspektive: Graham betonte, dass Anleger ihre Investments langfristig betrachten sollten („Buy and Hold“). Er war ein Befürworter davon, Aktien für mindestens fünf Jahre zu halten, vorzugsweise sogar länger, um die volle Wertschöpfung und den Effekt des Zinseszinses zu nutzen. Kurzfristige Marktschwankungen wurden als weniger relevant angesehen, da sich der wahre Wert eines Unternehmens langfristig im Aktienkurs widerspiegeln sollte.
  • Unterscheidung zwischen Mr. Market und dem Investor: Graham verwendete die Metapher des „Mr. Market“, um die emotionalen und irrationalen Schwankungen des Marktes zu beschreiben. Er ermutigte Anleger, diese Schwankungen zu ihrem Vorteil zu nutzen, anstatt sich von ihnen beeinflussen zu lassen.
  • Fokus auf Fundamentalanalyse: Eine gründliche Analyse der finanziellen Gesundheit und Performance eines Unternehmens war für Graham von entscheidender Bedeutung. Dies beinhaltete die Prüfung von Bilanzdaten, Gewinn- und Verlustrechnungen sowie anderen fundamentalen Kennzahlen.
  • Defensive und Unternehmerische Anleger: Graham unterschied zwischen defensiven und unternehmerischen Anlegern. Der defensive Anleger strebt danach, Risiken zu minimieren und hält langfristig. Der unternehmerische Anleger hingegen engagiert sich aktiver in der Analyse von Unternehmen und sucht nach außergewöhnlichen Kaufgelegenheiten.
  • Emotionale Disziplin: Graham betonte die Wichtigkeit, Emotionen wie Gier und Furcht zu kontrollieren. Eine rationale und disziplinierte Herangehensweise war seiner Meinung nach entscheidend für den Erfolg.

Benjamin Grahams Anlagestrategie gilt als wegweisend und hat viele Investoren, darunter auch Warren Buffett, beeinflusst. Buffett, der erfolgreichste Schüler Grahams, betonte jedoch, dass er Grahams Methoden zwar als notwendig, aber nicht als hinreichend betrachtet, um in der heutigen Zeit erfolgreich zu investieren.

 

 

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Maximilian Fischer
Seine literarische Reise begann während seines Studiums der Germanistik und Kreativen Schreibens an der Ludwig-Maximilians-Universität München. Schon früh zeigte sich sein Talent für das Schreiben von fesselnden Geschichten und die Kunst des Ausdrucks, die die Fantasie seiner Leser anregen. Maximilian Fischer hat eine besondere Leidenschaft für Beiträge der Finanzwelt. Diese Leidenschaft spiegelt sich in seinen Blog-Beiträgen wider, in denen er tiefergehende Einblicke, praktische Ratschläge und gelegentlich eine Prise Humor teilt. Der Autor strebt danach, Leserinnen und Lesern nicht nur Informationen zu liefern, sondern auch zum Nachdenken anzuregen und sie zu inspirieren.

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