GARP: Wachstum zu einem vernünftigen Preis

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Titelbild Strategie

Die GARP-Strategie bezeichnet einen Investitionsansatz, der darauf abzielt, das Beste aus zwei populären Anlagephilosophien zu vereinen: Wachstum (Growth) und Wert (Value). Das Akronym GARP steht für „Growth At a Reasonable Price“, also Wachstum zu einem vernünftigen Preis. Diese Methode fokussiert sich auf Unternehmen, die sowohl robustes Wachstum als auch vernünftige Bewertungen aufweisen.

Die Säulen der GARP-Strategie

GARP-Investoren suchen nach Unternehmen mit robusten fundamentalen Wachstumsaussichten. Dazu zählen eine konstante Umsatz- und Gewinnsteigerung sowie eine starke Marktstellung. Es geht nicht nur um das Wachstum an sich, sondern um qualitativ hochwertiges Wachstum, das aus der Geschäftstätigkeit selbst resultiert und nicht aus einmaligen Ereignissen.

Doch auch das beste Wachstum ist zu einem bestimmten Preis nicht mehr attraktiv. Deshalb verwenden GARP-Investoren Bewertungskennzahlen wie das Kurs-Gewinn-Verhältnis (KGV) und vor allem die PEG-Ratio (Price/Earnings to Growth), um sicherzustellen, dass die Aktien zu Preisen gehandelt werden, die in einem guten Verhältnis zu ihrem Wachstumspotenzial stehen. Die PEG-Ratio misst das Verhältnis des KGV zu der erwarteten jährlichen Gewinnwachstumsrate. Ein PEG-Ratio von weniger als 1 deutet darauf hin, dass eine Aktie im Vergleich zu ihrem erwarteten Wachstum unterbewertet sein könnte, während ein höheres PEG-Ratio eine Überbewertung signalisieren könnte.

Unternehmen, die im Rahmen der GARP-Strategie ausgewählt werden, sollten über eine gesunde Bilanz verfügen. Dies beinhaltet eine solide Eigenkapitalquote und eine nachhaltige Verschuldungspolitik, die das Unternehmen auch in volatilen Zeiten stabil hält.

GARP in der Praxis

Die Implementierung einer GARP-Strategie erfordert intensive Research-Bemühungen und eine dynamische Portfolioverwaltung. Ein typischer GARP-Investor könnte wie folgt vorgehen:

  • Screening: Identifizierung von Unternehmen mit einem PEG-Ratio unter 1 und einem KGV unter dem Branchendurchschnitt.
  • Tiefergehende Analyse: Betrachtung der Marktstellung, der Wettbewerbsvorteile, der Unternehmensführung und der finanziellen Stabilität der identifizierten Unternehmen.
  • Diversifikation: Verteilung der Investitionen über verschiedene Branchen und Regionen, um das Risiko zu streuen.
  • Aktive Verwaltung: Beobachtung der Performance und Anpassung des Portfolios bei Änderungen der Fundamentaldaten oder der Bewertungen.

Vorteile und Nachteile

Die GARP-Strategie bietet einen ausgewogenen Ansatz, der sowohl Schutz vor Marktvolatilitäten als auch das Potenzial für überdurchschnittliches Wachstum verspricht. Sie ist besonders für Investoren geeignet, die bereit sind, tiefer in die Analyse von Unternehmen einzusteigen und die langfristige Wertentwicklung über spekulative Gewinne stellen.

Trotz der attraktiven Aspekte der GARP-Strategie sollten Anleger die Herausforderungen nicht unterschätzen. Ein wesentlicher Punkt ist, dass die Bestimmung, was als „vernünftiger Preis“ gilt, subjektiv sein kann und ein hohes Maß an Sachkenntnis erfordert. Zudem sind Wachstumsraten schwer vorherzusehen und können schnell von externen Faktoren beeinflusst werden.

Insgesamt bietet die GARP-Strategie eine fundierte Möglichkeit, Wachstum und Wert sinnvoll zu kombinieren. Sie erfordert jedoch eine intensive Beschäftigung mit den Unternehmen und ihren Märkten. Für Anleger, die bereit sind, diese Mühe auf sich zu nehmen, kann GARP einen Weg zu stabilen und attraktiven Renditen bieten. Wie bei jeder Investmentstrategie ist es jedoch entscheidend, die Methodik an das eigene Risikoprofil und die persönlichen Anlageziele anzupassen.

Erfolgsbeispiele

Der wahrscheinlich bekannteste Anleger, der mit einer GARP-Strategie erfolgreich war, ist Peter Lynch. Er war von 1977 bis 1990 Fondsmanager des Magellan Fund bei Fidelity Investments, wo er zwischen 1977 und 1990 durchschnittliche jährliche Renditen von 29,2% erzielte – eine Leistung, die den S&P 500 um mehr als das Doppelte übertraf und ihn zu einem der besten Fondsmanager der Geschichte machte.

Lynch ist berühmt für seine Investitionsmaxime „Investiere in das, was du kennst“, und seine GARP-Strategie spiegelte diese Philosophie wider. Er bevorzugte Unternehmen, die sowohl ein starkes Wachstumspotenzial als auch vernünftige Bewertungen aufwiesen, und mied bewusst Aktien, die seiner Meinung nach zu hoch bewertet waren, unabhängig von ihren Wachstumsaussichten.

Peter Lynchs Erfolg mit GARP hat dazu beigetragen, dass dieser Investmentansatz zu einem festen Bestandteil der Investmentwelt geworden ist, und seine Strategien werden von vielen Fondsmanagern und Privatanlegern weltweit angewandt und geschätzt. Lynchs Bücher, insbesondere „One Up On Wall Street“ und „Beating the Street“, geben Einblicke in seine Investitionsphilosophie und -methoden und sind bis heute wichtige Lektüren für jeden, der sich für den GARP-Ansatz interessiert.

Kompatible Strategien

Die GARP-Strategie lässt sich gut mit anderen Investitionsansätzen kombinieren, die einen balancierten Investmentstil verfolgen und dabei sowohl Bewertungskriterien als auch Wachstumspotenzial berücksichtigen. Hier sind drei Anlagestrategien, die besonders gut mit GARP harmonieren:

  • Dividendenwachstumsstrategie: Diese Strategie konzentriert sich auf Unternehmen, die regelmäßig Dividenden ausschütten und deren Dividendenzahlungen über die Zeit hinweg steigen. GARP-Investoren könnten diese Strategie integrieren, indem sie sich auf Unternehmen mit Wachstumspotenzial konzentrieren, die gleichzeitig eine stabile und zunehmende Dividendenhistorie aufweisen. Dies kann als Indikator für eine solide Finanzführung und das Engagement für die Shareholder Value Maximierung gesehen werden.
  • Qualitätsinvestition (Quality Investing): Anleger, die nach Qualität suchen, fokussieren sich auf Unternehmen mit herausragenden Merkmalen wie starken Bilanzen, beständigen Cashflows und exzellentem Management. Diese Qualitätsmerkmale überschneiden sich mit den Kriterien von GARP, wo solche Faktoren oft ein Indiz für das „vernünftige“ Element in der Bewertung sind.
  • Blend-Strategie: Die Blend-Strategie ist ein Hybrid aus Wachstums- und Wertstrategien, bei dem Investoren nach Unternehmen suchen, die weder als reine Wachstums- noch als reine Wertaktien klassifiziert werden können. GARP fügt sich nahtlos in diesen Ansatz ein, da es genau darum geht, Unternehmen zu finden, die sowohl Wachstum als auch Wert bieten, und somit eine ausgewogene Portfoliozusammensetzung ermöglichen.

Alle drei Strategien betonen die Notwendigkeit einer gründlichen Fundamentalanalyse und einer ausgewogenen Betrachtungsweise von Marktbewertungen und unternehmensspezifischem Wachstumspotenzial. Sie lassen sich daher gut mit den Prinzipien von GARP vereinbaren, um ein diversifiziertes und widerstandsfähiges Investmentportfolio aufzubauen.

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