George Soros

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George Soros, geboren 1930 in Ungarn, ist ein renommierter Finanzinvestor und Philanthrop. Bekannt für seinen erfolgreichen Währungsspekulationscoup gegen das britische Pfund 1992, gründete er den Soros Fund Management und die Open Society Foundations. Soros‘ Einfluss erstreckt sich weit über die Finanzwelt hinaus. Sein kontroverses politisches Engagement und sein bedeutendes philanthropisches Vermächtnis machen ihn zu einer prägenden Persönlichkeit des 20. und 21. Jahrhunderts.

Soros hat oft politisch umstrittene Positionen eingenommen, was zu Verschwörungstheorien und falschen Darstellungen seiner Absichten geführt hat. Antisemitische Anschuldigungen, die ihn als Strippenzieher und Drahtzieher hinter globalen Ereignissen darstellen, haben zu einer hasserfüllten Rhetorik geführt, die seine persönlichen und philanthropischen Bemühungen oft überschattet. Es ist wichtig zu betonen, dass diese Anschuldigungen auf Stereotypen basieren und nicht auf Fakten beruhen.

Kindheit und Jugend

George Soros wurde am 12. August 1930 als György Schwartz in Budapest als Sohn einer wohlhabenden jüdischen Familie geboren, die sich – wie viele ungarische Juden der oberen Mittelschicht jener Zeit – mit ihrer Herkunft nicht wohl fühlte.

Die Familie seiner Mutter Erzsébet (auch bekannt als Elisabeth) betrieb ein erfolgreiches Seidengeschäft. Sein Vater Tivadar (auch bekannt als Teodoro Ŝvarc) war Rechtsanwalt und ein bekannter Esperanto-Autor. Er gab die Esperanto-Literaturzeitschrift Literatura Mondo heraus und brachte auch seinem Sohn die Sprache bei. 1936 änderte die Familie ihren Namen vom deutsch-jüdischen „Schwartz“ in „Soros“, um sich im zunehmend antisemitischen Ungarn zu tarnen. Dem Vater gefiel der neue Name nicht nur, weil er ein Palindrom ist, sondern auch wegen seiner Bedeutung. Auf Ungarisch bedeutet Soros „der Nächste“, auf Esperanto „der Aufsteigende“.

„Wenn Leute wie ich ein Währungsregime stürzen können, stimmt das System nicht.“

Im März 1944, als Nazi-Deutschland Ungarn besetzte, war Soros 13 Jahre alt. Die Familie überlebte den Krieg mit gefälschten Dokumenten, die sie als Christen auswiesen. George und seine Mutter tauchten für einige Zeit bei der Familie der Lehrerin Elza Brandeisz unter und besuchten mit ihr sogar die lutherische Kirche.

Nach dem Krieg zog der junge George Soros im Alter von 17 Jahren zunächst nach Frankreich und dann nach England. Dort schrieb er sich an der London School of Economics ein, wo er 1954 seinen Master machte. Eigentlich wollte er an der Universität bleiben und Professor werden, aber seine Noten waren nicht gut genug. Deshalb bewarb er sich bei einer Investmentfirma.

Erste Erfahrungen in der Welt der Finanzen

Soros begann seine Finanzkarriere bei der Handelsbank Singer & Friedlander in London. Er arbeitete zunächst als einfacher Angestellter und wechselte dann in die Arbitrage-Abteilung.

1956 zog Soros nach New York, wo er bis 1959 als Arbitragehändler für F.M. Mayer arbeitete. Er spezialisierte sich auf europäische Aktien, die nach der Gründung der Europäischen Gemeinschaft für Kohle und Stahl (EGKS), aus der später die EU hervorging, bei institutionellen Anlegern in den USA immer beliebter wurden. 1959 trat Soros bei Wertheim & Co. ein. Er plante, dort fünf Jahre zu bleiben, um 500.000 Dollar zu sparen und dann nach England zurückzukehren, um sein Philosophiestudium fortzusetzen. Bis 1963 arbeitete er als Analyst für europäische Wertpapiere.

Während dieser Zeit entwickelte Soros die Theorie der Reflexivität, um die Ideen seines Lehrers an der London School of Economics, Karl Popper, zu erweitern. Reflexivität besagt, dass Marktwerte häufig von den fehlbaren Ideen der Marktteilnehmer und nicht nur von den wirtschaftlichen Fundamentaldaten bestimmt werden. Ideen und Ereignisse beeinflussen sich gegenseitig in reflexiven Rückkopplungsschleifen.

George Soros, Jim Rogers und der Quantum Fund

1969 gründete Soros den Hedgefonds Double Eagle mit 4 Mio. USD Anlegerkapital, darunter 250.000 USD aus seinem eigenen Vermögen. Er hatte seinen Sitz in Curaçao auf den Niederländischen Antillen. Double Eagle selbst war ein Ableger des First Eagle Fonds von Arnhold und S. Bleichroeder, der 1967 von Soros und dem Vorsitzenden des Unternehmens, Henry H. Arnhold, gegründet worden war. 1973 verfügte der Double Eagle Fund über 12 Millionen Dollar.

George Soros
George Soros

Zu dieser Zeit war auch Jim Rogers bei Arnhold und S. Bleichroeder beschäftigt. Gemeinsam mit ihm gründete George Soros 1973 den Soros-Fund (später in Quantum Fund umbenannt), der sich als einer der erfolgreichsten Hedgefonds aller Zeiten erweisen sollte. Zwischen 1973 und 1980 erzielte der Quantum Fund eine Rendite von 4200%, während der S&P in derselben Zeit nur um etwa 47% stieg. Quantum wurde als einer der ersten wirklich globalen Fonds bekannt, da er in verschiedenen Märkten und Anlageklassen auf der ganzen Welt investierte.

„Die Finanzmärkte sind im Allgemeinen nicht vorhersehbar. Man muss also verschiedene Szenarien haben.“

Angesichts neuer staatlicher Vorschriften für Hedgefonds kündigte Soros im Juli 2011 an, dass der Quantum Endowment Fund keine Gelder externer Investoren mehr verwalten werde, sondern nur noch die Anlagen der Familie. Der Fonds hatte zu diesem Zeitpunkt eine durchschnittliche Rendite von über 20 % pro Jahr erzielt. Von seiner Gründung im Jahr 1973 bis zum Jahr 2013 erwirtschaftete Quantum insgesamt 40 Milliarden Dollar.

Weitere Investitionen

Soros‘ Status als nahezu mythischer Finanzier wurde im September 1992 begründet, als die britische Regierung das Pfund Sterling abwertete. Über seine Quantum-Gruppe hatte Soros in den Tagen vor der Abwertung Milliarden Pfund verkauft, einen Großteil davon mit geliehenem Geld. Danach kaufte Soros Pfund zurück, zahlte das geliehene Geld zurück und machte einen Gewinn von rund einer Milliarde Dollar. Auch andere profitierten vom Fall des Pfunds, aber Soros‘ Transaktionen übertrafen die aller anderen und brachten ihm den Spitznamen „der Mann, der die Bank von England brach“ ein. Doch 1994 schienen ihn seine Instinkte zumindest vorübergehend im Stich zu lassen, als er auf eine Aufwertung des Dollars gegenüber dem japanischen Yen spekulierte. Stattdessen fiel der Dollar das ganze Jahr über, und der Quantum Fund verlor Hunderte von Millionen Dollar.

Obwohl er seine Beteiligung an den spekulativen Angriffen auf den thailändischen Baht im Jahr 1997 bestritt, wurde Soros‘ Name bald mit der Finanzkrise in Verbindung gebracht, die Asien im darauf folgenden Jahr erschütterte. Der malaysische Premierminister Mahathir bin Mohamad griff Soros an und machte ihn für den Verfall des Ringgit verantwortlich. Diese Vorwürfe entsprachen jedoch nicht der Realität. Tatsächlich hatten Soros‘ Fonds durch die Krise Milliarden verloren.

Nach dem Platzen der Technologieblase im Jahr 2000 wurde sein Anlagestil konservativer. Im Dezember 2002 verurteilte ein französisches Gericht Soros zu einer Geldstrafe von 2,2 Millionen Euro (2,9 Millionen Dollar) wegen Insiderhandels bei einem Aktiengeschäft mit dem Finanzdienstleister Société Générale im Jahr 1988. Soros legte vergeblich Berufung ein, das Urteil wurde 2006 höchstgerichtlich bestätigt. Angesichts neuer staatlicher Vorschriften für Hedgefonds kündigte Soros im Juli 2011 an, dass der Quantum Endowment Fund keine Gelder externer Investoren mehr verwalten werde, sondern nur noch die Anlagen der Familie. Der Fonds hatte zu diesem Zeitpunkt eine durchschnittliche Rendite von über 20 % pro Jahr erzielt.

George Soros als Philantrop und politischer Akteur

1984 verwendete Soros einen Teil seiner Gewinne zur Gründung der Open Society Foundations, einer philanthropischen Organisation, die ein Netzwerk von Stiftungen umfasst. Ein Großteil der anfänglichen Arbeit konzentrierte sich auf Osteuropa, beginnend mit Ungarn, wo er Stipendien vergab, technische Hilfe leistete und bei der Modernisierung von Schulen und Unternehmen half. Obwohl Ungarn noch ein kommunistischer Staat war, erhielt Soros Garantien, dass seine Stiftung ohne Einmischung der Regierung arbeiten konnte.

Nach dem Ende des Kalten Krieges und dem Zusammenbruch des Sowjetregimes gründete Soros Stiftungen in der Tschechoslowakei, Polen, Russland und Jugoslawien. Einige Kritiker warfen ihm Inkonsequenz vor – er verurteilte die „Kurzsichtigkeit“ westlicher Regierungen und verdiente gleichzeitig Geld mit kurzfristigen Währungsspekulationen. Dennoch gab er weiterhin beträchtliche Summen aus, um den Aufbau der Demokratie in Osteuropa und anderswo zu unterstützen. Zu Beginn des 21. Jahrhunderts war Open Society Foundations in mehr als 70 Ländern aktiv. Im Jahr 2017 wurde berichtet, dass Soros in den letzten Jahren rund 18 Milliarden Dollar an die Organisation gespendet hat, was sie zu einer der größten philanthropischen Gruppen der Welt macht.

Soros war auch in politischen Aktivismus und andere philanthropische Bemühungen involviert. Im Jahr 2003 finanzierte er die liberale Denkfabrik Center for American Progress und versprach Gruppen wie MoveOn.org Millionen von Dollar, um die Wiederwahl des republikanischen Präsidenten George W. Bush im Jahr 2004 zu verhindern. Später war er ein prominenter Unterstützer der Präsidentschaftskampagnen des demokratischen Senators Barack Obama 2008 und 2012 und spendete für Hillary Clinton bei den Wahlen 2016 und für Joe Biden 2020. Im Jahr 2010 spendete George Soros 100 Millionen Dollar an die Nichtregierungsorganisation Human Rights Watch. Mit seiner Unterstützung für Demokraten und liberale Anliegen hat sich Soros häufig die Kritik von Republikanern und Konservativen zugezogen und stand oft im Mittelpunkt unbegründeter Verschwörungstheorien.

Was Anleger von George Soros lernen können

Moderne Anleger können von George Soros eine Reihe wichtiger Lektionen für ihre Anlagestrategien lernen:

  • Reflektiere über Unsicherheiten: Soros betont die inhärente Unsicherheit der Finanzmärkte. Anleger sollten sich bewusst sein, dass Märkte von zahlreichen Faktoren beeinflusst werden, und eine ständige Selbstreflexion ist wichtig, um sich der eigenen Unsicherheiten bewusst zu werden.
  • Verstehe Reflexivität: Soros hat das Konzept der Reflexivität in die Finanzwelt eingeführt. Er erkennt an, dass die Meinungen der Marktteilnehmer selbst die Marktbewegungen beeinflussen können. Anleger sollten sich bewusst sein, wie ihre eigenen Überzeugungen den Markt beeinflussen können.
  • Bleibe flexibel und passe dich an: Soros ist bekannt für seine Fähigkeit, seine Anlagestrategien an die sich ändernde Marktsituation anzupassen. Anleger sollten bereit sein, flexibel zu sein und ihre Strategien je nach Marktbedingungen zu modifizieren.
  • Antizyklisches Investieren: Soros bevorzugt antizyklisches Investieren, indem er auf unterbewertete Vermögenswerte setzt. Anleger könnten von dieser Strategie profitieren, indem sie nach Chancen suchen, wenn Märkte überverkauft sind und gegen den vorherrschenden Trend handeln.
  • Risk Management ist entscheidend: Soros legt großen Wert auf effektives Risikomanagement. Anleger sollten Risiken bewusst eingehen, aber auch Strategien entwickeln, um potenzielle Verluste zu begrenzen und ihre Portfolios zu schützen.
  • Berücksichtige politische und wirtschaftliche Zusammenhänge: Soros erkennt die Bedeutung von politischen und wirtschaftlichen Zusammenhängen für die Finanzmärkte an. Anleger sollten sich über weltweite Ereignisse und politische Entwicklungen informiert halten, um fundierte Anlageentscheidungen zu treffen.
  • Investiere in das, was du verstehst: Soros empfiehlt, nur in das zu investieren, was man gründlich versteht. Eine tiefgehende Analyse von Branchen und Unternehmen ist entscheidend, um informed Investmententscheidungen zu treffen.

Es ist wichtig zu beachten, dass die Anwendung dieser Prinzipien in den Kontext der eigenen Anlageziele und -strategien erfolgen sollte. Die Finanzmärkte sind komplex, und verschiedene Ansätze können je nach individuellen Umständen unterschiedlich erfolgreich sein.

 

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Maximilian Fischer
Seine literarische Reise begann während seines Studiums der Germanistik und Kreativen Schreibens an der Ludwig-Maximilians-Universität München. Schon früh zeigte sich sein Talent für das Schreiben von fesselnden Geschichten und die Kunst des Ausdrucks, die die Fantasie seiner Leser anregen. Maximilian Fischer hat eine besondere Leidenschaft für Beiträge der Finanzwelt. Diese Leidenschaft spiegelt sich in seinen Blog-Beiträgen wider, in denen er tiefergehende Einblicke, praktische Ratschläge und gelegentlich eine Prise Humor teilt. Der Autor strebt danach, Leserinnen und Lesern nicht nur Informationen zu liefern, sondern auch zum Nachdenken anzuregen und sie zu inspirieren.

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