Cliff Asness

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Cliff Asness (eigentlich Clifford Scott Asness), geboren am 17. Oktober 1966, ist ein US-amerikanischer Hedgefonds-Manager und Mitbegründer von AQR Capital Management. Er ist bekannt für seine Expertise in quantitativer Finanzforschung und Anlagestrategien, insbesondere für seine Arbeit im Bereich der Momentum-Strategie. Forbes schätzte sein Nettovermögen im Jahr 2022 auf 1,6 Milliarden US-Dollar, womit er Platz 1818 der reichsten Menschen der Welt belegte.

Jugend und Ausbildung

Cliff Asness wurde in Queens (New York) als Sohn einer jüdischen Familie geboren. Seine Mutter, Carol Asness, leitete damals ein Unternehmen für medizinische Ausbildung. Sein Vater, Barry Asness, war stellvertretender Bezirksstaatsanwalt in Manhattan und ehemaliger Golden-Gloves-Boxer. Als Cliff Asness vier Jahre alt war, zog seine Familie nach Roslyn Heights (New York). Nach der High School absolvierte er an der University of Pennsylvania ein Doppelstudium der Informatik und des Finanzwesens, das er 1988 mit summa cun laude abschloss.

Sein Interesse an Finanzen und Portfoliomanagement entdeckte er während seiner Arbeit als Forschungsassistent in der Finanzabteilung der Wharton University. Dort lernte er, mit Hilfe von Computerprogrammen die Märkte zu analysieren und Wirtschafts- und Finanztheorien zu testen.

1989 schrieb sich Asness an der Universität Chicago ein. Dort erwarb er 1991 seinen MBA mit Auszeichnung und 1994 seinen Doktortitel in Finanzwissenschaften. In Chicago war er Assistent seines Doktorvaters und Mentors, des Nobelpreisträgers Eugene Fama, und des Ökonomen Kenneth French. Kenneth und French waren empirische Finanzökonomen, die 1992 die Grundlagen für das Fama-French-Dreifaktorenmodell legten, das den Vergleich von Value-Aktien mit Growth-Aktien ermöglicht. Auf deren Grundlage wurden später Algorithmen entwickelt, die in der Lage sind, Marktdaten zu durchsuchen, um nach spezifischen Faktoren zu suchen.

In seiner Dissertation beschäftigte sich Asness mit der Performance des Momentum-Tradings, also dem Kauf von Aktien bei steigenden Kursen. Er argumentierte, dass durch die Einbeziehung von Value- und Momentumkriterien Gewinne erzielt werden können, die über dem Marktdurchschnitt liegen. Sein Value-Konzept wird im Zusammenhang mit der Fundamentalanalyse als Methode zur Bewertung des wahren Wertes eines Wertpapiers verwendet. Das von ihm verwendete Momentum-Konzept untersucht die Frage, ob sich steigende oder fallende Kurse bestimmter Wertpapiere wahrscheinlich fortsetzen werden. Obwohl diese Konzepte nicht von Asness selbst stammen, wird ihm zugeschrieben, dass er als erster genügend empirische Beweise gesammelt hat, um diese Ideen in die akademische Finanzwelt einzuführen.

Die Karriere von Cliff Asness

Goldman Sachs

Cliff Asness begann seine berufliche Laufbahn 1990 im Alter von 24 Jahren als Doktorand. Sehr zum Bedauern seines Mentors verließ er die akademische Welt, um Manager der  quantitativen Forschungsabteilung von Goldman Sachs Asset Management (GSAM) zu werden. Zwei Freunde aus seiner Studiengruppe an der Universität von Chicago schlossen sich ihm an. Gemeinsam begannen sie, Modelle zur Risikobewertung von Währungen, Anleihen und ganzen Volkswirtschaften zu entwickeln. Sie bauten auf den Ideen von Fama und French auf und kombinierten diese mit Erkenntnissen, die Asness in seiner eigenen Doktorarbeit gewonnen hatte.

1995 überzeugte Asness einige Verantwortliche bei Goldman Sachs, ihm eine Anfangsinvestition von 10 Millionen Dollar zu gewähren, um die von seinem Team entwickelten computergestützten Modelle für Investitionen unter realen Bedingungen zu testen. Als sich die Anfangsinvestition nach einger Zeit auf 100 Millionen US-Dollar verzehnfacht hatte, öffnete Goldman Sachs den Fonds für die Öffentlichkeit. Der Goldman Sachs Global Alpha Fund war geboren, einer der ersten quantitativen Hedgefonds der Branche.

Cliff Asness verließ GSAM 1997, um seinen eigenen Hedgefonds zu gründen. Der Alpha-Fonds florierte vorerst auch ohne ihn. Er war darauf ausgelegt, unabhängig von der Marktrichtung Geld zu verdienen, was er unter anderem durch Leerverkäufe erreichte. Auf seinem Höhepunkt im Jahr 2007 verwaltete er ein Vermögen von über 12 Milliarden Dollar. Damit war er einer der größten Hedgefonds der Welt. Die Finanzkrise von 2007/2008 läutete jedoch sein Ende ein. Bis 2011 stürzte der Fonds auf einen Wert von nur noch 1 Milliarde US-Dollar ab. Im Herbst 2011 wurde er schließlich aufgelöst.

AQR Capital Management

1998 gründete Asness im Alter von 31 Jahren in New York zusammen mit David Kabiller, John Liew und Robert Krail AQR Capital Management. AQR war einer der ersten Hedgefonds-Anbieter, der sich bei seiner Gründung freiwillig bei der Securities and Exchange Commission registrieren ließ. Im Jahr 2000 stieg das Unternehmen darüber hinaus auch in das traditionelle Portfoliomanagement ein. Im Jahr 2001 verwaltete AQR ein Vermögen von rund 750 Millionen Dollar. 2004 waren es bereits 12 Milliarden. In diesem Jahr verlegte das Unternehmen seinen Hauptsitz nach Greenwich (Connecticut).

Die wirtschaftlichen Erdbeben der Jahre 2007 und 2008 haben auch das Unternehmen von Cliff Asness nicht verschont. Doch im Gegensatz zum Alpha-Fonds bei Goldman Sachs, der 2011 liquidiert wurde, konnte sich AQR relativ schnell erholen. Schon bis Ende 2010 was der Wert des verwalteten Vermögens wieder auf 33 Mrd. US-Dollar angestiegen.

Im Laufe der Jahre ist AQR dazu übergegangen, auch verstärkt traditionelle Anlageformen anzubieten. Forbes-Artikeln von 2019 und 2020 sprechen bezeichnenderweies nicht mehr von einer reinen Hedgefondsfirma, sondern von einer Agentur, die „faktorbasiertes Investieren“ einsetzt und Produkte von Hedgefonds bis hin zu Investmentfonds anbietet.

Die Anlagestrategie von Cliff Asness

Cliff Asness ist bekannt für die Anwendung einer quantitativen Anlagestrategie, die auf empirischer Finanzforschung und mathematischen Modellen basiert. Diese Strategie zielt darauf ab, systematische und wiederholbare Muster in den Finanzmärkten zu identifizieren und auszunutzen. Die wichtigsten Merkmale seiner Anlagestrategie sind:

  • Faktorprämien: Asness nutzt verschiedene Finanzfaktoren wie Momentum, Value, Quality und Low Volatility, um Renditepotenziale zu identifizieren. Diese Faktoren basieren auf historischen Marktbeobachtungen und sollen systematische Überrenditen gegenüber dem breiten Markt ermöglichen.
  • Quantitative Modelle: Die Strategie von Asness beruht auf quantitativen Modellen und Datenanalysen. Diese Modelle werden verwendet, um Vermögenswerte auszuwählen, Portfolios zu konstruieren und Risikomanagementtechniken anzuwenden.
  • Diversifikation: Eine breite Diversifikation über verschiedene Anlageklassen und Vermögenswerte ist ein wesentlicher Bestandteil seiner Strategie, um das Risiko zu streuen und die Volatilität zu reduzieren.
  • Risikoparität: Asness hat auch zur Entwicklung des Konzepts der Risikoparität (risk parity) beigetragen, bei dem das Portfolio so ausbalanciert wird, dass jedes Anlageinstrument das gleiche Risikogewicht hat. Dies soll dazu beitragen, die Portfoliovolatilität zu kontrollieren.
  • Aktive Verwaltung: Obwohl seine Strategie auf quantitativen Modellen basiert, handelt es sich um eine Form aktiver Verwaltung, da die Portfolios regelmäßig überprüft und angepasst werden, um auf Marktveränderungen zu reagieren.

Insgesamt verfolgt Cliff Asness eine systematische und datengetriebene Anlagestrategie, die darauf abzielt, überdurchschnittliche Renditen bei gleichzeitiger Kontrolle des Risikos zu erzielen. Seine Arbeit hat maßgeblich zur Popularisierung quantitativer Anlagestrategien in der Finanzbranche beigetragen.

 

Biographie auf der Website von AQR Capital Management (englisch)

 

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